|
ICH
LERNE TAUCHEN Jemand
liess mich Schnorchel, Flossen und Maske kaufen und schickte mich in den
Tauchclub um die hohe Kunst des Tauchens zu erlernen, 4-6 Wochen bei den
Anfängern und im Herbst der Gerätekurs. So wenigstens lautete die
Prognose der Fachleute. Leider haben diese Fachleute die Rechnung ohne den
Wirt gemacht. Wie soll man einem das Atmen durch den Schnorchel
beibringen, wenn er einfach nichts begreift? Wie soll man ihn „flösselen“
lehren, wenn er so ein „Gstabi“ ist? Die
Anfänger kamen und gingen -
ich blieb! Zwischendurch
hatte ich so den „Stinker“, dass ich wieder einige Zeit zu Hause
blieb. Ich mied die guten Trainer, weil sie mich so plagten, und ging
gerne mit den weniger guten, weil sie so nachsichtig waren. Ein ganz
besonders netter Mensch lüftete dann doch das Geheimnis meiner Unfähigkeit:
Die Flossen taugen nichts. Sofort kaufe ich bessere (3 x teurere) und
lerne es trotzdem nicht. Der
Sommer vergeht, der Herbst zieht ins Land und der Winter sieht mich immer
noch verbissen bei den Anfängern. Erst der neue Frühling ..... aber das
ist nicht ganz wahr. Der Trainer hatte ganz einfach genug von mir und
liess mich die Grundschulprüfung bestehen. So kam ich dann im nächsten
Winter zum Hallenbadkurs. Welt
der Wunder und der Überraschung! Es klappte gar nicht schlecht, und im
April sieht man mich zum ersten Mal im Kiesensee. Der dünnste Anzug war für
mich gerade gut genug. Keine Füsslinge und keine Handschuhe vervollständigten
meine Ausrüstung. Hätte ich das Tauchen so schnell gelernt wie das
frieren, dann wäre ich als Tauchlehrer an den Kiesensee gekommen. Es
folgte der Kauf von Handschuhen und Füssen und ein drittes Paar Flossen.
Eine Woche später friere ich etwas weniger in der Beatenbucht. -
Die Aufgabe ist klar.
Maske abziehen, dreimal durch die Nase ausatmen und Maske wieder aufsetzen
und leeren. Kein Problem. Wir tauchen im freien Wasser ab bis 20 m Tiefe.
Ich nehme die Maske ab und versuche durch die Nase auszuatmen und die
Maske wieder aufzusetzen und leeren. Kein Problem. Wir tauchen im freien
Wasser ab bis 20 m Tiefe. Ich nehme die Maske ab und versuche durch die
Nase auszuatmen. Ich presse, ich schlucke, presse wieder und schlucke noch
mehr. Alles hilft nichts. Wir sinken langsam auf 40 m ab. Der andere Schüler
gibt verzweifelte Zeichen zum Aufstieg. Ich setze die Maske auf, leere sie
und die Gruppe steigt auf. Wo
meine Schwierigkeiten begonnen haben weiss ich nicht. Aber sie waren plötzlich
da. Schmerzen in der Brust und die Atmung wurde schlecht. Was habe
ich nun wieder falsch gemacht? Nichts, gar nichts. Nur - es funktioniert
bei jedem Idioten, nur nicht bei mir. Um Angst zu haben bin ich viel zu
dumm. Aber ich weiss, dass ich jetzt sterben muss. Das ärgert mich ganz
gewaltig. Warum ausgerechnet ich? Wie zum Teufel bin ich konstruiert, dass
es gerade bei mir nicht funktioniert? Das
gutgemeinte Fragezeichen des Trainers: Alles gut? lasse ich unbeantwortet.
Er sieht, dass ich nicht atmen kann und öffnet mir den Reissverschluss
der Jacke. Kein Erfolg. Er taucht wieder ab. Kein Erfolg. Ergo, wieder
hoch, denkt er und ich denke, nun schau Du. Mit beiden Händen fasse ich
seinen Arm, lasse den Kopf darauf ruhen und schliesse die Augen. Von mir
kein Flossenschlag mehr. Vom
vorüberziehenden Leben im Angesicht des Todes, von Reue und letzten
Gedanken an die lieben Verwandten keine Spur. Doch die Fahrt geht nicht
gegen den Himmel und nicht in die Hölle. Zur Oberfläche. „Ans Ufer“
stöhne ich, und „jojo“ kommt die beruhigende Antwort des Trainers.
Da, ein Knall, eine Explosion von „Gorbs“ aus meinem Munde und
„alles, alles ist wieder gut" (genau wie im Volkslied). Ja, so ein
„Gorbs“, langanhaltend und dröhnend wie der Weltuntergang, strömend
aus den tiefsten Tiefen einer armen Seele, ist die Wiedergeburt eines
Tauchers zu neuen Abenteuern. Der
Trainer schrieb in mein Tauchbüchlein: „In 20 m Schwierigkeiten mit der
Maske“. Mir geht es schon so gut, dass ich mich wundern kann! Eine Woche
später zäpfle ich in der Quelle und wieder eine Woche später bei der
Brevetprüfung in Spiez. Theorieprüfung unter der Eiche. Von drei Fragen
kann ich eine richtig beantworten. Die Frage lautet: „Was ist Überdruck
im Magen?“ Da ich das weiss, habe ich bestanden. Glaubt’s oder glaubt’s
nicht - ich
weiss es heute noch!' Vielfältig
sind die Stationen der Erfahrungen: Der Kauf eines neuen Anzuges, weiterer
Flossen und eine Menge Dummheiten, die ich nicht zu kaufen brauchte. Da
war der Solotauchgang, die Eisblumen an der Maske, die Kastration durch
den Bleigurt, das Japsen an der Oberfläche und die 300 m schwimmen mit
dem Gerät ohne Schnorchel –
und - schliesslich die Tränen bei der Zweisternprüfung.
' „Ich
lerne tauchen“, heisst der Aufsatz. Wenn ich damit fertig bin, werde ich
mich wieder melden. Bis dahin bitte ich um geduldiges Warten.
|